Praxis beim BV Alb-Lautertal

Der Verein bietet für Neuimker und alle anderen Interessierten Praxistermine an.

Die Praxistermine sollen Anfängern Gelegenheit geben, das in der Theorie erworbene Wissen in der praktischen Anwendung zu sehen und Fragen zu stellen.

Soweit möglich, wird es bei aktuellen Problemen, die die Teilnehmer ansprechen, gleich vor Ort Rat und Hilfe geben.

Praxistermine werden auch in den Jahren nach dem Einführungskurs weiterhin angeboten.

Die Praxistermine finden während der Bienensaison jeweils etwa monatlich an einem Samstag Nachmittag ab 14:00 bis ca 17:00 statt.

Die Termine werden vorher bekannt gegeben. Bitte dazu die "Termine" Seite dieses Internetauftritts konsultieren.

Gelegentlich muss ein Termin wetterbedingt verschoben werden. Manchmal muss auch die Entwicklung der Bienen abgewartet werden.

Bitte am Abend vor jedem Praxistermin die Internetseite des Vereins besuchen. Dort wird aktuell bekannt gegeben, ob und wann ein Termin stattfinden kann.

 

Die aktuellen Arbeiten des jeweiligen Monats werden erklärt und an Bienenvölkern vorgeführt. Die imkerlichen Geräte, die dazu gebraucht werden, werden gezeigt.     

Praxis April: Frühjahresdurchsicht

  • Beuten und Werkzeug

    Beim ersten Praxistag werden Beuten, Rähmchen und imkerliche Werkzeuge gezeigt und erklärt.
    Auf keinen Fall sollte man gebrauchte Ausrüstungen kaufen, wenn man sich noch nicht gut genug auskennt. Oft werden z.B. gebrauchte Beuten von Imkern gekauft, die ihre Imkerei altershalber aufgeben. Solche Beuten entsprechen aber nicht immer den aktuellen Anforderungen. Manchmal haben z.B. ältere Beuten keinen Gitterboden zur Varroakontrolle. Zum Einkauf gebrauchter Ausrüstungen immer einen erfahrenen und aktuell informierten Imker mitnehmen!
  • sind die Fluglöcher frei? 

    Können die Bienen ausfliegen und Gemüll ausräumen? Eventuel Boden reinigen. 

    Im Winter kommt es vor, dass durch Totenfall Bienen innen am Beutenboden festfrieren und das Flugloch verstopfen. Um dies zu verhindern gelegentlich mit dem Stockmeißel Flugloch freimachen. Wenn viel Schnee fällt, kann der eventuel die Fluglöcher verschliessen. Schnee von den Fluglöchern entfernen. 
    Bienen sollten auch im Winter und erst recht im Frühjahr zum Reinigungsflug ausfliegen können. 
    Wenn der Reinigungsflug blockiert ist, koten die Bienen im Stock ab und es breitet sich sehr schnell Nosema aus. Das Volk wird stark geschwächt und kann daran verenden.
    Die Bienen tragen Pollen von den ersten blühenden Pflanzen z.B. Erle, Hasel, Weide ein. Damit beginnt die Aufzucht von jungen Bienen, die bis ca Ende April die Winterbienen ersetzen (Generationswechsel).
  • feststellen, wo das Volk sitzt

    Bodenschieber ziehen und feststellen, wo das Volk sitzt und wieviele Wabendeckel abgeschrotet sind.
    Es sollten mindestens drei Wabengassen besetzt sein. Wenn es weniger sind, ist das Volk sehr schwach und wird sich bis zum Beginn der Tracht kaum ausreichend entwickeln.
    Wenn die Königin des schwachen Volkes in Ordnung ist, eventuel ein schwaches Volk über Absperrgitter auf ein sehr starkes Volk stellen. Die aufsteigende Wärme des starken Volkes und seine Arbeitsbienen werden dafür sorgen, dass die Königin im schwachen Volk stärker Eier legt. Vier Wochen später können die beiden Völker dann wieder getrennt werden und das schwächere Volk hat genügend neue Bienen.
  • Flugloch beobachten. 

    Wenn Bienen mit Pollen einfliegen, hat das Volk Brut, die gefüttert wird. Wenn sehr starker Bienenflug herrscht aber keine Bienen mit Pollen einfliegen wird das Volk vermutlich ausgeraubt. Im Zweifelsfall Volk öffnen und feststellen, ob Brut vorhanden ist. 
    Achtung: es genügt wenn man offene Brut sieht. Man muss nicht bei jeder Nachschau der Königin "Guten Tag" sagen.
  • welche Bienenvölker leben noch und haben eine Königin mit Brut? 

    Wenn sich an der Abdeckfolie Kondenswasser bildet, ist das Volk in Brut. 
    Wenn ein Volk nicht mehr lebt, sofort Flugloch verschliessen und Volk zeitnah ausräumen. 
    Feststellen woran das Volk eventuel verendet ist. Wenn ein Volk verhungert ist, findet man noch einige Waben bei denen die Bienen Kopf voraus in den Zellen stecken. Wenn ein Volk fast ganz leer ist, ist es wahrscheinlich schon im Herbst an der Varroa oder einer davon übertragenen Infektion verendet. Die kranken Bienen fliegen dann aus und kommen nicht mehr zurück. Wenn sehr viele tote Bienen auf dem Beutenboden liegen, einige Bienen mit der Lupe ansehen. Es könnte Varroabefall sein oder eventuel die von Varroa übertragene Flügeldeformation. Wenn die Beute innen und Rähmchen und eventuel die Beute aussen voll Kotspritzer sind, gab/ gibt es eventuel einen starken Nosemabefall.
  • wie ist der Futterstand? 

    Je nach Witterung ist eventuel nochmals mit Kälteeinbrüchen zu rechnen. Die Bienen sollten noch mindestens zwei volle Futterwaben haben. Randwabe ziehen und untersuchen. Gewicht des Magazins aufschreiben. Eventuel eine Futterwabe zugeben. Solche Futterwaben hat man üblicherweise im Spätsommer/ Herbst aus Völkern entnommen, die aufgelöst oder zusammengelegt werden. Falls keine Futterwaben verfügbar sind, nur im Notfall, mit Flüssigfutter nachfüttern. Dazu zwei leere Waben entfernen und Futtertasche oder Milchtüte mit Flüssigfütter und Schwimmhilfe direkt in das Magazin stellen.
  • Drohnenwabe einsetzen

    Bei warmem Wetter eine Brutwabe ansehen und beurteilen (siehe dazu die Bilder). Eine leere Futterwabe entfernen und am Rande des Brutnestes eine Drohnenwabe einsetzen.
  • Umgebung des Bienenstandes beobachten

    und blühende Pflanzen notieren. Blühprotokoll anfangen.
    Hinweis: ein Beispiel für ein Blühprotokoll kann herunter geladen werden.

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Brutstadien

Die folgende Bildserie zeigt Arbeiterinnenbrut in verschiedenen Stadien.

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Praxis Mai: Nachschau, Schwarmkontrolle, Drohnenrahmen, Königinnenvermehrung, Stockkarte führen

  • Nachschau Drohnenrahmen

    In der Drohenbrut vermehrt sich die Varroa besser als in der Arbeiterinnenbrut. Das liegt vor allem daran, dass die Drohnenbrut etwa drei Tage länger verdeckelt ist und die Varroa daher etwa einen Vermehrungszyklus mehr Zeit hat.

    Eine sehr effektive Maßnahme zur Reduktion der Varroa ist es, während der Vermehrungszeit regelmäßig Drohnenbrut zu entnehmen und einzuschmelzen. Dazu werden in das Volk "an den Rand des Brutnestes", bei Hohenheimer Zander Magazinen üblicherweise in Position 2 und/oder 9 leere Rahmen eingesetzt. Die Bienen bauen darin die größeren Drohnenzellen. Die Königin legt dort hinein unbefruchtete Eier aus denen sich dann Drohnen entwickeln. Diese Rahmen heissen "Drohnenrahmen" oder auch "Baurahmen". Während der Hauptvermehrungszeit im Mai/ Juni kann man bei stark brütenden Völkern im 2 wöchigen Wechsel in Position 2 oder 9, auch zwei Drohnenrahmen einsetzen.

    Die Baurahmen werden durch neue ersetzt, wenn sie einigermassen verdeckelt sind. Einen schön verdeckelten Drohnenrahmen zeigt das Bild unten.
     
    Es dauert etwa drei Wochen bis ein Drohenrahmen voll gebaut, eingelegt und verdeckelt ist.
    Das heisst, in einer Saison von Ende April/ Anfang Mai bis Anfang Juli kann man ca 3-4 Drohnenrahmen entnehmen.

    Damit halbiert sich in etwa die Anzahl Varroa bis zum Juli. D.h. man gewinnt am Ende der Saison etwa einen Monat in dem man Waldhonig schleudern, die Völker auf den Wintersitz reduzieren und die erste Ameisensäurebehandlung durchführen kann. 

    Ohne diese Maßnahme kommt ein Volk bereits Ende Juli in eine kritische Varroabelastung und kann eventuell an Varroa verenden.

  • Schwarmverhinderung

    Ein Schwarm ist die natürliche Vermehrung eines Bienenvölkes. Ein Schwarm geht ab, wenn das Volk eine oder mehrere Weiselzellen mit gut entwickelten Königinnenlarven enthält. Nach ca 8-9 Tagen werden solche Zellen verdeckelt- dann ist es allerhöchste Zeit, etwas zu unternehmen. Bei günstigem Flugwetter ist der Schwarm dann eventuel bereits abgeflogen. Daher muss man konsequent jede Woche Schwarmverhinderung betreiben. Als Imker möchte man üblicherweise nicht, dass die Bienen schwärmen
    • ein Schwarm kann von der Nachbarschaft als sehr störend empfunden werden. Viele Leute haben Angst in einem Schwarm gestochen zu werden. Diese Angst ist zwar unbegründet. Wenn die Leute aber wild um sich schlagen, werden sie auch gestochen.
    • von einem abgeschwärmten Volk wird man keinen Blütenhonig ernten. Ein Schwarm nimmt 1kg - 2kg Honig mit als "Reiseproviant". Da das abgeschwärmte Volk dann 10000-15000 weniger Bienen hat, sind nicht genügend "Arbeitskräfte" da, die ausreichend Honig sammeln könnten.
    • ein Schwarm wird in der heutigen Varroasituation nicht von selbst überleben. Ohne Behandlug wird der Schwarm spätestens in der nächsten Saison verenden, meistens wird er den ersten Winter nicht überleben.
    • allerdings kann ein Schwarm, wenn er vom Imker rechtzeitig gefangen werden kann, eine ausgezeichnete Grundlage für ein neues Jungvolk bilden. Dazu wird dem Schwarm bei Gelegenheit eine neue Königin aus der aktuellen Nachzucht zugesetzt, die dann ein starkes Pflegevolk vorfindet. Solche Pflegevölker werden im Spätsommer gegen Varroa behandelt und für den Winter wie alle anderen Jungvölker auch eingefüttert.

    Zur Schwarmverhinderung sucht man regelmäßg bestiftete Weiselzellen. Alle bestifteten Weiselzellen werden entfernen. Falls nötig, Zwischenableger bilden.
    Auch für die Diagnose der Schwarmtriebigkeit wird der Drohnenrahmen genutzt. Wenn ein Volk schwärmen will, wird er Drohnenrahmen nicht mehr richtig ausgebaut und eingelegt. Ausserdem werden auf dem Drohnenrahmen oft Weiselzelllen angelegt.
    Auf der internet Seite von Dr Liebig gibt es ein anschauliches Video, das zeigt, wie er die regelmäßige Nachschau durchführt und wie er schwarmtriebige Völker erkennt.

    Das Video zum Protokoll am 18.04.2017

  • Nachzucht von Königinnen 

    Um den Bestand von Völkern leistungssfähig zu erhalten, um eventuelle Winterverluste auszugleichen und auch um die Schwarmlust zu dämpfen (junge Königinnen schwärmen nicht so häufig wie alte) sollte man jedes Jahr etwa halb so viele Völker mit neuer Königin bilden wie man Völker hat.

    Die meisten Bienenvereine, so auch wir, Belegstellen in der Nachbarschaft, Züchter, und auch die Landesanstalt für Bienenkunde in Hohenheim halten Königinnen von denen man nachziehen kann. Jeder kann von diesen Königinnen für seine eigene Nachzucht im Mai und Anfang Juni Larven (Zuchtstoff) bekommen.

    Anfänger können während der Zuchtsaison auch Königinnen aus unserer Nachzucht, soweit gerade vorhanden, bekommen.

    Unter dem Punkt "Königinnenvermehrung" ist eine kurze Anleitung zu finden, wie man mit Hilfe eines Sammelbrutablegers seine eigene Nachzucht von Königinnen und die Bildung von Jungvölkern betreiben kann.
    https://alb-lautertal.lvwi.de/vereinsleben/koeniginnenvermehrung/
  • Stockkarte

    Bei jeder Maßnahme am Bienenvolk sollte man aufschreiben, was man gesehen hat. Sonst kann es leicht sein, dass man den Überblick verliert.

    Am einfachsten geht das mit einer "Stockkarte". Solche Karten kann man kaufen. Im internet gibt es vom Deutschen Imker Bund eine Vorlage.

    Unter dem Punkt "Stockkarten" ist eine selbst entworfene Stockkarte mit Erklärungen beschrieben. Diese Stockkarte kann von der Vereinsseite unter dem Punkt "Stockkarten" herunter geladen werden.

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Praxis Juni: Jungvölker pflegen, Drohnenrahmen, Honigschleudern

Kontrolle der Jungvölker

Die im Mai gebildeten Jungvölker werden kontrolliert.

Es wird geprüft, ob die Königin vorhanden ist. Das sieht man an gelegten Eiern.

Wenn alle gegebenen Waben ausgebaut sind, wird eine neue Mittelwand an den Rand des Brutnestes zwischen die Brutwaben und die Futterwaben eingefügt. Wenn dann das ganze Magazin mit Waben gefüllt ist, sollte das Jungvolk ca 15000- 20000 Bienen enthalten (7-8 Wabengassen mit je etwa 2000- 2500 Bienen).

Bei ausreichender Fütterung und Varroabekämpfung hat ein solches Volk sehr gute Aussichten, den Winter zu überleben.

Das folgende Video zeigt, wie Dr Aumeier ein Jungvolk pflegt und eine erste Varroabehandlng durchführt, wenn die neue Königin gerade angefangen hat, Eier zu legen.

https://www.youtube.com/watch?v=jCOmSxZSaKk

Der Internet Auftritt von Dr Liebig und Dr Aumeier enthält weitere interessante Videos zur weiteren Pflege  von Jungvölkern und zu anderen imkerlichen Themen.

Weiselzellen

Völker werden auf Weiselzellen kontrolliert. Siehe dazu die Erklärungen vom Mai.

Drohnenrahmen

Der Drohnenrahmen wird kontrolliert und ggf. entnommen und durch ein leeres Rähmchen ersetzt. Siehe dazu die Erklärungen vom Mai.

Bis Ende Juni, bis zum Ende der Schwarmzeit, wird der Drohnenrahmen relativ schnell und gleichmäßig ausgebaut und belegt. Für eine effektive Varroa-Reduzierung sollten bis Ende Juni von jedem Volk, das nicht abgeschwärmt ist, 3-4 Drohnenrahmen entnommen sein; (auf der Stockkarte vermerken!).

Ab Juli wird der Dohnenrahmen nicht mehr gleichmäßig belegt. Die Bienen tragen auf dem Drohnenrahmen Honig ein und später dann auch Winterfutter. Man kann gleichmäßig gebaute aber mit Honig gefüllte Drohnenrahmen im Volk lassen (Pos 2 oder 9 in einer Hohenheimer Zander Beute). Bis zum Frühjahr ist das Winterfutter verbraucht. Diese Drohnenrahmen werden von der Königin im nächsten Frühjahr gleich mit Drohnenbrut bestiftet und können dann schon sehr früh entnommen werden.

Das Schleudern von Honig wird erklärt

Jetzt ist es and der Zeit, den Frühjahrshonig zu schleudern. Die Kollegen im Tal haben meist schon geschleudert. Auf der Alb wartet man bis der Raps verblüht ist und danach die Bienen mindestens eine Woche lang Gelegenheit hatten, den Honig zu trocknen. Dieses Jahr ist damit in KW 22 - 23 die Zeit für das Schleudern gekommen.

Honig kann geschleudert werden, wenn er "reif" d.h. trocken genug ist. Honig darf nach den Regeln des Deutschen Imker Bundes höchstens 18% Wasser enthalten, dann hält sich der Honig sehr lange ohne zu verschimmeln oder zu gären.

In der Regel wird der Honig in der Mitte des Honigraumes durch die Stockwärme zuerst getrocknet und von den Bienen gedeckelt. Man entnimmt daher eine Honigwabe von ausserhalb der Mitte  und dort die nach Aussen gewandte Seite um den Wassergehalt zu testen. Das ergibt einen etwas schlechteren Wert als in der Mitte. Man ist damit aber auf der sicheren Seite, da man beim Schleudern eine Mischung von Honig aus der Mitte und von den Rändern bekommt.

Am besten prüft man den Wassergehalt mit einem Honigrefraktometer.

Geschleudert werden nur Waben, die mindestens zu ⅔ - am besten ganz verdeckelt sind. Wer kein Refraktometer hat, kann die „Spritzprobe“ machen wie die alten Imker. Man entnimmt eine Wabe und stößt sie von sich weg. Dabei sollte aus dem offenen Teil der Wabe kein Honig heraus spritzen.

In der Regel wird Honig von den Bienen verdeckelt, wenn er reif ist. Das Bild unten zeigt eine voll verdeckelte Zander Honigwabe. Eine solche Wabe wiegt ca 3kg. Sie enthält etwa 2,5 kg Honig.

Das nächste Bild zeigt eine DN Honigwabe bei der auf einer Hälfte die Wachsdeckel mit einer Entdeckelungsgabel entfernt wurden. Die DN Wabe enthält ca 1,9 kg Honig.

Wenn Honig trocken genug ist, fliesst er zäh aus der Schleuder über ein Doppelsieb in einen Eimer, wie das nächste Bild von der Waldhonigernte 2006 zeigt.

Die Umbegungstemperaturen beim Schleudern sollten mindestens 20°C betragen, sonst fliesst der Honig nicht richtig aus den Waben. Wenn man dann zur Kompensation die Schleuder zu schnell dreht, kann es vorkommen, dass die Honigwaben stark beschädigt werden.


Nach dem Schleudern gibt man die ausgeschleuderten Waben in den Honigraum zurück. Die noch honigfeuchten Waben werden von den Bienen in kurzer Zeit ausgeschleckt. Kleine Beschädigungen werden repariert.


Feuchte Waben nicht ausserhalb eines Bienenvolkes lassen! Die Honigreste zeihen aus der Luft Feuchtigkeit an und fangen an zu gären. Wenn man Waben im Freien aufhebt, kommt es zu Räuberei.

Die Oberfläche des Honigs nach dem Schleudern abschöpfen. Trotz Honigsieben schwimmen noch kleine Wachsteile und andere Verunreinigungen auf. Man schöpft mehrfach, am besten drei bis vier Tage lang täglich ab. Den Abschöpfhonig kann man den Jungvölkern zum fressen geben oder bei der Wintereinfütterung mit verwenden.

Dr Aumeier empfielt, auf die Honigeimer eine stabile Frischhaltefolie zu legen. Damit wird verhindert, dass Honig aus der Luft Feuchtigkeit anzieht. Ausserdem kann man die Folie abziehen und entfernt damit zugleich die meisten der restlichen aufgeschwommenen Wachsteilchen und Verunreinigungen.

Blütenhonig, vor allem solcher mit hohem Anteil von Löwenzahn und/oder Raps, wird innerhalb von ein bis zwei Wochen hart. Daher wird der Honig rechtzeitig, bevor er fest ist, gerührt. Er bekommt dann eine cremige Konsistenz und behält diese Konsistenz sehr lange.

Wenn der Honig trocken genug ist (< 18% Wasser), kann er so bis zu mehreren Jahren dunkel und kühl gelagert werden. Vorsicht: wenn man den Honig über ein Jahr aufhebt, kann er im darauffolgenden Sommer wegen der möglicherweise hohen Raumtemperaturen wieder über 25°C-30°C warm werden. Er verflüssigt sich wieder und wird dann später wieder auskristallisieren.

Es empfiehlt sich auf jeden Fall, gelegentlich einen Honigkurs zu absolvieren. Dabei werden die Zusammensetzung des Honigs, seine Ernte, die Behandlung und Lagerung sowie rechtliche Vorschriften genau erklärt. Die Teilnahme an einem Honigkurs ist verpflichtend, wenn man Honig im Gebinde des Deutschen Imker Bundes verkaufen will.

Wir werden beim Praxistermin die Verwendung eines Honigrefraktometers und die Spritzprobe vorführen.

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Praxis Juli: Varroakontrolle, Abschleudern

Varroadiagnose und Behandlung

Im Verlauf des Juli kann die Varroabelastung kritisch werden. Die Varroa verdoppelt ihre Population alle 3 bis 4 Wochen. Die Königin lässt mit dem Eier legen nach. Damit kann der Anteil der Brut und Bienen, die von Varroa befallen sind, zu hoch werden mit der Folge, dass das Volk schwach wird und eventuel verendet.

Durch konsequente Entnahme von Drohnenbrut kann die Varroabelastung zwar reduziert werden, trotzdem muss die Varroabelastung spätestens im Juli kontrolliert werden. Es kann notwendig werden, Sofortmaßnahmen einzuleiten.

Das erste Bild zeigt schematisch nach Liebig den Verlauf der Populationen von Bienen und Varroa.

Die grüne Kurve zeigt die Population der Bienen.

Die rote Kurve zeigt die Population der Varroa.

Die Wirkung der Drohnenbrutentnahme ist in dem Kurvenverlauf in magenta zu erkennen.

Die blaue Kurve zeigt das Verhältnis Varroa zu Bienen. Dieses Verhältnis steigt mit abnehmenden Bienenzahl und zunehmender Varroazahl steil an. In diesem Beispiel wäre bis Mitte August jede zweite Biene befallen. Damit würde dieses Volk verenden.

Die nächsten Bilder zeigen eine Biene auf der eine Varroa sitzt, den natürlichen Varroaabfall auf der Diagnosewindel nach ca einer Woche Ende Juli, und den Varroaabfall auf der Diagnosewindel bei einem stark befallenen Volk.

Nicht nur für das befallene Volk ist die Varroa gefährlich. Auch andere Völker werden durch Ausräubern eines zusammenbrechenden Volkes mit den mitgebrachten Varroa infiziert.

Das nächste Video vom Bieneninstitut Kirchhein zeigt die Varroakontrolle nach der Puderzuckermethode:

https://www.youtube.com/watch?v=-ZQmm78nMnE

In den Dokumenten, die über die folgenden links geladen werden können, sind Methoden zur Varroadiagnose und zur Behandlung von Bienenkrankheiten beschrieben.

http://bienenkunde.rlp.de/Internet/global/themen.nsf/0/D23520EA91BA6DA3C1257FEA003635B6/$FILE/Infobrief_2016_17.pdf

https://www.lwg.bayern.de/mam/cms06/bienen/dateien/varroakonzept_bayern_2._druckversion__kob.pdf

https://bienenkunde.uni-hohenheim.de/fileadmin/einrichtungen/bienenkunde/Varroa/Flyer_Behandlungskonzept.pdf

http://www.laves.niedersachsen.de/download/41805/Varroa-Bekaempfungskonzept.pdf

http://www.kiv-bochum.de/bilder/07_11Binder-Befallsprobe.pdf

Die Varroaschadschwellen bei der Diagnose sind im Punkt "Was Tun? Tips nicht nur für Neuimker" beschrieben.

Bei Überschreiten der Schadschwellen ist ein sofortiges Eingreifen des Imkers erforderlich. 

Die einzige schnell wirkende Maßnahme, bei einem Volk mit verdeckelter Brut, ist die Behandlung mit AS.

Wenn die Schadschwellen noch nicht ganz erreicht sind, kann auch mit Thymol behandelt werden. Thymol wirkt längerfristig und ist nicht für eine Notbehandlung geeignet.

Manche Imker entnehmen im Juli, nach dem Abschleudern, vorbeugend alle Brut. Da die Varroa überwiegend in der Brut sitzt, entfernt man damit auch den größten Teil der Varroa. Das so brutfrei gemachte Volk kann sofort mit OS behandelt werden.

Die entnommenen Brutwaben kann man zu einem Sammelbrutableger zusammen stellen. Man läßt alle Brut ausschlüpfen und behandelt dann den brutfreien Ableger auch mit OS.

Achtung: nach der Behandlung mit AS, Thymol oder OS kann aus einem solchen Volk kein Honig mehr geerntet werden.

Hier zeigt sich der Vorteil der Drohnenbrutentnahme. Man kann dadurch den Zeitpunkt der kritischen Varroabelastung bis nach dem Abschleudern Ende Juli hinausschieben.

Abschleudern

Bis Ende Juli wird je nach Witterungsverlauf abgeschleudert. Dabei wird der restliche Waldhonig entnommen.

Waldhonig enthält mehr Mineralien als Blütenhonig und würde im Winter, wenn die Bienen nicht zum Abkoten den Stock verlassen können, die Bienen belasten. In ungünstigen Fällen werden sie sogar in der Beute abkoten und dabei Darmkrankheiten wie Nosema verbreiten.

Nach dem Abschleudern wird das Absperrgitter entfernt und die ausgeschleuderten Waben werden wieder aufgesetzt. Die Bienen werden in wenigen Tagen die Waben von den noch anhaftenden Honigresten säubern und kleinere Beschädigungen wieder reparieren.

Da jetzt das Absperrgitter nicht mehr eingelegt ist, wird die Königin auch in den früheren Honigraum Eier legen. Das Brutnest verlagert sich so nach oben. Das kann allerdings eine zeitlang dauern. Die Bienen bevorzugen zum Brüten alte schon einmal bebrütete Waben

Wenn man viele helle ausgeschleuderte Waben hat, die man für das kommende Frühjahr aufheben will, muss man diese von den Bienen zuerst von Honigresten säubern lassen. Dazu auf den Brutraum oben eine Leerzarge aufsetzen und darüber eine Zarge mit den ausgeschleuderten Waben. Nach einige Tagen kann die Zarge mit den gesäuberten Waben entnommen werden und die Waben können für den Winter eingelagert werden.

Achtung: nur Waben, die noch nie bebrütet wurden, ausserhalb der Bienenvölker über längere Zeit einlagern. In bebrüteten Waben oder Waben mit Polleneinlagerungen werden sich Wachsmotten entwickeln, die mit der Zeit die Waben zerstören.

Waben mit anhaftenden Honigresten lassen sich schwer aufheben. Die offenen Honigreste werden Luftfeuchtigkeit anziehen und damit einen Wassergehalt über 18% erreichen. Da überall Hefepilze vorhanden sind, werden diese Honigreste dann anfangen zu gären.

 

 

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Praxis August: Varroabehandlung mit AS, füttern der Wirtschaftsvölker

Soweit noch nicht im Juli geschehen, werden die Wirtschaftsvölker jetzt auf zwei Magazine reduziert. Dazu entnimmt man das unterste Magazin und setzt auf den Boden das bisher obere Brutmagazin. Spätestens jetzt wird das Absperrgitter entfernt. Das bisherige Honigmagazin wird zum neuen oberen Brutmagazin.

Der Effekt ist eine vollständige Wabenerneuerung etwa alle drei Jahre. Damit werden Krankheitskeime, Schimmelpilze und Wachsmotten aus dem Volk entfernt.

Wenn die Königin ohnehin ersetzt werden soll, kann man das in diesem Schritt machen. Alte Königin entnehmen. Neue Königin unter Futterteigabschluss im Käfig zusetzen. Wenn die neue Königin aus einem gut entwickelten Jungvolk stammt, kann man das ganze Jungvolk auch auf das Magazin mit dem alten Volk aufsetzen. Vorher das Altvolk auf ein Magazin reduzieren.

Die Waben des untersten Magazins werden, soweit sie dunkel vom mehrfachen Brüten sind, eingeschmolzen.

Wenn dabei noch viele Waben mit Brut im untersten Magazin auftreten, kann man mit diesen einen Sammelbrutableger bilden. Wenn nur einzelne Waben mit Brut auftreten, kann man diese an den Rand des neuen oberen Brutmagazins hängen. Wenn die Brut ausgelaufen ist, werden diese Waben auch noch eingeschmolzen. Eventuel wird in diese Waben Winterfutter eingelagert. Dann kann man sie im nächsten Frühjahr heraus nehmen und einschmelzen.

In dem Sammelbrutableger wird eine neue Königin schlüpfen bevor alle Arbeiterinnenbrut ausgeschlüpft ist. Ein gebildeter Sammelbrutableger kann, wenn die Brut ausgelaufen ist, mit OS gegen Varroa behandelt werden und bekommt dann eine neue Königin aus der diesjährigen Vermehrung. Vorher wird die kürzlich geschlüpfte Königin entnommen.

Das reduzierte Volk wird mit ca 5 kg Zucker im Flüssigfutter gefüttert. Damit bilden sich auf den Waben Futterkränze. Sie puffern die Ameisensäuredämpfe. Ansonsten wird ein Teil der Brut bei der anschliessenden AS Behandllung nicht überleben.

Nach der Auffütterung wird zum ersten Mal mit AS 60% ad us vet behandelt. Zur Behandlung die Hinweise der Hersteller auf der Verpackung und das Behandlungskonzept BW beachten.

Achtung AS Dämpfe sind ätzend. Säurefeste Handschuhe, Schutzbrille tragen. Wenn mit AS in geschlossenen Räumen gearbeitet werden muss, Mundschutz tragen.

Nach der AS Behandlung schrittweise das restliche Winterfutter geben. Auf der Alb bekommt ein Wirtschaftsvolk auf zwei Zargen insgesammt 20 kg Zucker. Das entspricht einem ganzen Nachfüllpack mit 28 l ApiInvert.

 

 

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Praxis September: Varroabehandlung, Füttern für den Winter

 

Wirtschaftsvölker   

Im September wird nochmals mit AS gegen Varroa behandelt. Siehe Hinweise im August.

Bis Mitte/ Ende September muss das restliche Winterfutter gegeben sein. Dazu die langfristige Wetterentwicklung beachten.

Achtung: es kann nur mit AS behandelt und gefüttert werden, wenn die Temperaturen noch über 15°C liegen.

In manchen Jahren ist es bereits im September so kalt, dass die Bienen das Futter nicht mehr abnehmen und die AS nicht mehr verdunstet.

Unter der folgenden Internet Adresse kann man die Wetteraussichten für die Varroabehandlung abrufen. Dazu gibt man die eigene Postleitzahl ein und erhält Hinweise, ob die Temperaturen günstig oder ungünstig für eine Behandlung sind.

http://www.dlr.rlp.de/Internet/global/inetcntr.nsf/dlr_web_full.xsp?src=X59QY4860Q&p1=05Y4210002&p3=D2KEU5C709&p4=XJPZBV4849

Allerdings passiert es immer wieder, dass diese internet Adresse vom Land Rheinland Pfalz geändert wird. Man findet die aktuelle Adresse mit Google über das Suchwort "Varroawetter".

Man kann auch den 14 Tage Wettertrend abrufen

https://www.meteoblue.com/de/wetter/vorhersage/14-tage

Auch hier kann man die eigene PLZ eingeben und erhält eine angepasste Vorhersage des Temperaturverlaufes.

Jungvölker

Jungvölker werden im September mit AS gegen Varroa behandelt.

Jungvölker werden im September schrittweise für den Winter eingefüttert. Auf der Alb bekommen Jungvölker 15 kg Zucker. Das entspricht 20 l Flüssigfutter ApiInvert oder 1 1/2 Eimern ApiInvert.

Jungvölker sollten est im September mit AS behandelt werden. Die AS Behandlung zieht Brutschäden nach sich. Jungvölker sollen im Sommer noch an Volksstärke zunehmen. Daher sollte während des Volksaufbaus die Brut nicht geschädigt werden.

Jungvölker sollten nicht zu früh gefüttert werden, da sie noch Platz zum Brüten im Magazin benötigen. Daher möglichst in mehreren Portionen das Winterfutter geben.

Allerdings muss auch bei Jungvölkern das AS Behandeln und das Auffüttern beendet sein, bevor es zu kalt wird.

Zur Pflege der Jungvölker im Herbst gibt es eine ausführliche Beschreibung in den Monatsbetrachtungen von Fr Dr Aumeier vom Juli/ August und September 2017.

Die Artikel können von folgender Adresse herunter geladen werden:

https://www.immelieb.de/downloads/monatsbetrachtungen-pia-aumeier-2017/

 

 

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Praxis November/ Dezember: Herbstbehandlung Varroa OS

Im Herbst, wenn die Völker brutfrei sind, wird mit OS die "Restentmilbung" durchgeführt.

Völker sind ca 3 Wochen nach den ersten anhaltenden Frösten oder nach dem ersten Schnee brutfrei. Bei uns ist dies üblicherweise Ende November oder Anfang Dezember. Auch wenn es bis dahin nicht kalt war, muß spätestens vor Jahresende behandelt werden, da die Königinnen je nach Witterungsverlauf in Januar schon wieder anfangen zu legen.

Behandelt wird am besten morgends bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Dann sitzen die Völker eng auf einer Wintertraube zusammen. Die Behandlung erreicht dann alle Bienen. Auch bei leichtem Frost ist eine Behandlung möglich.

Für die Anwendung der OS Behandlung die Hinweise der Hersteller und das Behandlungskonzept BW beachten.

Achtung: Oxalsäure ist ätzend. Säurefeste Handschuhe und Schutzbrille tragen. Wasser zum Abwaschen und zum Spülen der Augen bereit halten.

Die Bilder zeigen die OS Behandlung bei einem früheren Praxistermin.

Die OS wird mit einer Spritze direkt auf die Bienen aufgeträufelt.

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Bienenstand an der Lauter Donzdorf

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Bienenstand bei den Heidhöfen Böhmenkirch

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